Praktische Theologie I
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Portrait - Selbstverständnis des Lehrstuhls

Auf diesen Seiten erhalten Sie einen Überblick über die Arbeit und die Mitarbeiter am Lehrstuhl von Prof. Dr. Christian Albrecht.

Die Themen des Lehrstuhls, wie sie in Forschung und Lehre bearbeitet werden, umfassen das gesamte Spektrum der Praktischen Theologie mit Ausnahme der Religionspädagogik. Homiletik und Theorie medialer Kommunikation, aber auch Liturgik, Poimenik, Diakonik, Pastoraltheologie, Kybernetik sowie die Prinzipienlehre und die Wissenschaftsgeschichte der Praktischen Theologie zählen dazu. Als charakteristisch für die Art und Weise, in der diese Themen durchweg bearbeitet werden, können folgende Programmgrundsätze gelten:

  • Die Praktische Theologie, wie sie hier verstanden wird, befasst sich mit den immer wiederkehrenden Problemen der kirchlichen und pfarramtlichen Praxis, indem reflektiert wird, wie Grundsätze der Überlieferung Orientierung bieten können in den Fragestellungen der Gegenwart. Die Verbindung von Grundsätzen der Überlieferung und Erfahrungen der Gegenwart geschieht aber weder so, dass die Überlieferungsgrundsätze gegen die Gegenwartserfahrung zur Geltung gebracht wird – noch so, dass mit Verweis auf die Gegenwartserfahrung die Überlieferungsgrundsätze als veraltet und nicht mehr orientierungskräftig verabschiedet werden. Gegenwartserfahrungen und Überlieferungsgrundsätze werden vielmehr in das Licht einer wechselseitigen Präzisierung gerückt, so dass jeweils das eine zum Medium der Entschlüsselung des anderen werden kann. Darin liegt die Vermittlungsaufgabe der Praktischen Theologie.
  • Die Praktische Theologie, wie sie hier verstanden wird, ist orientiert an Problemen. Probleme, die ihren Namen verdienen, zeichnen sich dadurch aus, daß sie sich keiner eindeutigen, keiner einfachen und schon gar nicht einer endgültigen Lösung zuführen lassen. Die Leistung einer an Problemen orientierten Praktische Theologie besteht vielmehr im Erkennen und Artikulieren von Problemen, im Freilegen der eingeschlossenen Prinzipien und gegebenenfalls in der Konzeption von Verfahren zum Umgang mit den Problemen.
  • Die Praktische Theologie, wie sie hier verstanden wird, hat die Gestalt einer wissenschaftlichen Theorie. Sie ist die Theorie der Praxis, nicht schon die Praxis selbst. Die Praktische Theologie dient also dem Wissen. Sie dient dem Können insofern, als das Wissen dessen Grundlage bildet. Sie trägt eine theoretische Gestalt und sie ist bestimmt durch ihr historisches Bewußtsein und durch ihr systematisches Verfahren. Erst das befähigt sie auch dazu, ihre spezifischen Themen auf Augenhöhe mit den übrigen theologischen Disziplinen zu bearbeiten.
  • Die Praktische Theologie, wie sie hier verstanden wird, ist geleitet vom Respekt vor ihren Adressaten. Sie hat nicht das Ziel, fertige Urteile zuzustellen, sondern die Urteilsfähigkeit zu befördern. Sie stellt sich in den Dienst der selbständigen Urteilskraft jener, die Verantwortung tragen für die institutionelle Gestalt des Christentums in der Gegenwart und für die Beförderung der Möglichkeit, sich das Christentum je individuell anzueignen. Die Praktische Theologie erschließt sich ihre Themen so, dass derjenige, der sich eine Meinung zur Sache bilden und eine Haltung in der Praxis gewinnen will, in selbständiger Weise und in einer diese Selbständigkeit noch fördernden Weise mit diesen Themen  auseinandersetzen können soll.
  • Die Praktische Theologie, wie sie hier verstanden ist, hat insofern die Aufgabe, die Bildung der angehenden Theologen und Theologinnen zu fördern. Der Bildungsgedanke ist darum leitend für die praktisch-theologische Theorie: Bildung ist diejenige Grunddimension, der Praktischen Theologie, die das Selbstverständnis wie auch die Selbstentfaltung der Praktischen Theologie angemessen zu bestimmen und zu gestalten vermag. Dass gerade die Praktische Theologie sich den Bildungsbegriff als ihren Grundbegriff zueigen macht, hat zwei miteinander verwandte Gründe. Zum einen ist die neuzeitlich-protestantische Praktische Theologie als ganze ein Realisat des protestantischen Bildungsgedankens, insofern an die Stelle pastoraler Kasuistik das Ideal urteilsfähiger und sachgemäßer Selbständigkeit getreten ist. Zum anderen hat es damit zu tun, dass die Praktische Theologie es in besonderer Weise mit der Ausbildung und Vorbereitung zum Beruf des Theologen zu tun hat. Denn der Beruf des Theologen ist der Brennpunkt des protestantischen Bildungsprogramms. Hier müssen Tradition und Gegenwart, Christentum und Kultur, persönliche Überzeugung und allgemeiner Konsens miteinander vermittelt werden. Insofern stellen sich im Beruf des Theologen, genauer: in allen Reflexionen auf seine angemessene Ausübung und auf die sachgemäße Vorbereitung zu ihm, Bildungsfragen stellvertretend für Kirche und Christentum.