Praktische Theologie I
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Wie werden wir, was wir sind? Die Ambivalenz der Innovation

Fachtagung für Führungskräfte diakonischer Sozialunternehmen in Deutschland

16.11.2016

lnnovationsfreudig zu sein, ist ein selbstverständlicher Anspruch von Einrichtungen und Unternehmen der Diakonie. Sie sind jederzeit bereit, neue Aufgabenfelder in der Gesellschaft und der Lebenswelt der Menschen zu entdecken; sie bemühen ihre soziale Phantasie, um neue Modelle der Hilfe und der Begleitung zu erfinden; sie sind stets auf der einfallsreichen Suche nach neuen,verbesserten Arbeitsformen und sie müssen eine Passion fürs Ungewöhnliche haben. So will es das Bild der Diakonie, so will es auch ihr Selbstverständnis.

Doch die Gründe für diese Innovationsdynamik sind vielfältig. Viele Innovationen werden durch externe Anforderungen erzwungen, etwa durch Änderungen der rechtlichen, ökonomischen und finanziellen Rahmenbedingungen, die die Diakonie zu akzeptieren hat. Andere Innovationen werden durch überraschende gesellschaftliche Krisen oder humanitäre Katastrophen notwendig: die Diakonie muss sich neue Wege der Hilfe einfallen lassen, ob sie will oder nicht. Und einige Innovationen verdanken sich dem eigenen, inneren Antrieb der Diakonie nach Selbstoptimierung.

Der permanente Innovationszwang ist ambivalent. Stillstand ist Rückschritt, das weiß zwar jeder. Aber zunehmend unübersehbar werden Begleiterscheinungen wie dauerhafte Unruhe, innere und äußere Hast bei Mitarbeitenden und Leitenden, anhaltende Unzufriedenheit mit dem Gegenwärtigen. Vor allem birgt die auf Dauer gestellte Innovationsdynamik die Gefahr, über fortwährendem Veränderungsdruck Identitätsstiftendes und ldentitätsstabilisierendes aufs Spiel zu setzen.
Erneuerungsdruck und Anpassungsnotwendigkeiten bedeuten häufig ein Risiko für USP und Differenzierungsmerkmale, selten nur eine Chance für die Stabilisierung von Originellem und Ungewöhnlichem. Manche dringend notwendige Innovation wird dagegen gebremst durch staatlichen oder kirchlichen Beharrungsdruck.

Auf dem traditionellen Bußtagstreffen der Diakonie soll das Ethos der Innovationsfreude, sollen innere und äußere Notwendigkeiten permanenter Innovation ebenso diskutiert werden wie Innovationsbremsen und riskante Nebenwirkungen erstarrter Dauerinnovativität.

 

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