Praktische Theologie I
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Glück in der Diakonie

Fachtagung für Führungskräfte diakonischer Sozialunternehmen in Deutschland

21.11.2018 – 22.11.2018

Glück in der Diakonie


Glück ist kein geschützter Begriff. Glück meint das Höchste, was einem Menschen im Leben widerfahren kann. Denn was kann man mehr wollen im Leben als sein Glück zu finden? Glück ist zugleich ein Allerweltswort, gedankenlos eingesetzt für den zufälligen guten Verlauf, fürs „Glück gehabt“-haben ebenso wie fürs Wohlgefühl. Glück kann beides meinen und meint manchmal beides zugleich: das Kleine, Zufällige und Flüchtige ebenso wie dasjenige, was die Seele im Innersten berührt. Der Glückbegriff ist zwar anfällig: für Trivialisierungen in Ratgeberfibeln und Produktvermarktungen ebenso wie für philosophische und künstlerische Verklärungen. Aber der Glücksbegriff ist lebensnah, weil er die Grundspannung des menschlichen Lebens, die Spannung zwischen Endlichem und Unendlichem, anschaulich aufnimmt.


Glück entsteht, so weiß die empirische Glückforschung, nicht nur durch Zufall oder den Genuss lustbetonter Dinge, sondern auch durch die Steigerung eigener Fähigkeiten oder die Akzeptanz der eigenen Grenzen. Glück kann dadurch entspringen, dass man seine Kräfte in den Dienst einer für sinnvoll gehaltenen Sache stellt. Glück besteht im Gefühl der Zugehörigkeit, in der Zustimmung zum Hier und Jetzt. Die philosophische Glücksforschung deutet Glück als („luck“ und „happiness“ übersteigendes) Lebensgefühl des ganzen Menschen, der mit den Trübungen seiner Kräfte und Fähigkeiten zu leben vermag, nicht gegen sie.


Und die theologische Glückforschung hat alte Vorbehalte gegen Oberflächlichkeiten des Glücksbegriffs aufgegeben und versteht Glück als augenblickliches Aufleuchten einer höheren Wirklichkeit im diesseitigen Leben, als punktuelles Ergriffensein von einer den Menschen übersteigenden Dimension seines Lebens.
Glücklich lebt demzufolge, wer mit den unverfügbaren Bedingungen des Lebens, den bekräftigenden ebenso wie den einschränkenden, versöhnt zu leben vermag. Glücklich ist, wer sich im Einklang mit den inneren und äußeren Voraussetzungen seines Lebens zu fühlen vermag. Im Grunde ist damit ein Idealziel diakonischer Arbeit beschrieben. Und tatsächlich hört man den Satz „ Ich bin hier glücklich“ in der Diakonie gar nicht so selten, von Nutzerinnen und Nutzern diakonischer Einrichtungen ebenso wie von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.


Ist Glück mehr, weniger oder anderes als Sinn, Erfüllung und Zufriedenheit? Bringt der Glücksbegriff diesen gegenüber insbesondere die Erfahrung zum Ausdruck, dass es möglich ist, mitten im Endlichen eins zu werden mit dem Unendlichen? Ist es hilfreich, die spannungsvermittelnde Glücksidee stärker in das Selbstverständnis der Diakonie aufzunehmen? Lassen sich in der Diakonie Vorstellungen des Glück aufnehmen und kultivieren, ohne deswegen die Schattenseiten des Lebens abblenden zu müssen - das Schwache, das Misslungene, das Gescheiterte?


Auf dem traditionellen Bußtagstreffen der Diakonie sollen diese Fragen aus den Perspektiven empirischer wie philosophisch-anthropologischer Glücksforschung ebenso wie unter psychologischen, ökonomischen und theologischen Gesichtspunkten diskutiert werden.

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