Praktische Theologie I
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Altern als Lebensform

Fachtagung für Führungskräfte diakonischer Sozialunternehmen in Deutschland

20.11.2019 – 21.11.2019

Die Lebensphase des Alters ist heute länger und facettenreicher als je zuvor, und das Altern ist zu einer Gestaltungsaufgabe geworden. Medizinischer und technischer Fortschritt, gesellschaftskulturelle Wandlungen sowie die zunehmende Individualisierung und Differenzierung von Lebenssituationen machen es zugleich möglich und nötig, das Altern als eigene Lebensform zu begreifen - mit eigenen Herausforderungen und eigenen Chancen. Der alternde Mensch muss neue Antworten finden auf neue Lebensmöglichkeiten, aber auch auf neue Formen des Eingeschränktseins.

Altern heißt im Kern, in der eigenen Lebensführung permanent Antwort geben zu müssen auf die Gleichzeitigkeit von zunehmender Freiheit und zunehmender Abhängigkeit. Es heißt, den Zuwachs an Gestaltungsmöglichkeiten mit den enger werdenden Grenzen der Selbstgestaltung zu vermitteln. Es heißt, die Aufgabe des Neuanfangs mit der Aufgabe des Verzichts zu verbinden. Es heißt, in massiven Wandlungen der Sozialität zu leben: mit der Notwendigkeit, neue Beziehungen zu knüpfen und mit dem Ende vertrauter Beziehungen leben zu lernen. Es heißt, den Wert der Erinnerung kennenzulernen, ohne in Nostalgie zu verfallen.

Dass das Altern zu einer eigenen, herausforderungsvollen wie chancenreichen Lebensform geworden ist, bedeutet zugleich veränderte Aufgaben für die Diakonie. Die Diakonie muss die vielfältigen Formen des Alterns mit wahrnehmungssensiblem Sinn für die Individualität der ihr anvertrauten Alten begleiten. Sie muss differenzierte Angebote für die verschiedenen Formen und Stadien des Alterns bereithalten, für die fließenden Übergänge von der eher aktiven dritten Lebensphase in die durch zunehmende Hilfsbedürftigkeit geprägte vierte Lebensphase. Menschen im Alter, die Angebote der Diakonie wahrnehmen, können darauf vertrauen, auch in größer werdender Abhängigkeit ihre gewonnene Freiheit selbstbestimmt zu gestalten. Und sie muss dabei Verschiebungen der Verantwortung moderieren, von der Förderung der Selbstverantwortung der alten Menschen über die zunehmende Mitverantwortung für ihr Geschick bis hin zur vertrauenswürdigen Annahme umfassender Verantwortung für sie.

Wo verlaufen die Grenzen zwischen Potentialen und Verletzlichkeit? Wie begleitet man die Gratwanderung zwischen Entwicklung und Endlichkeit? Wie reagiert man auf die zahllosen Mischformen von Zuversicht und Skepsis, von Hoffnung und Angst, wie auf die Entzweiungen von Körper und Geist? Wie geht man mit der ansteigenden Differenzierung von Entwicklungsverläufen des Alterns um? Welche reflexiven und emotionalen, aber auch sozialen, ökonomischen und pragmatischen Aufgaben bedeutet diese Differenzierung für die Diakonie?

Auf dem traditionellen Bußtagstreffen der Diakonie sollen diese Fragen aus den Perspektiven diakonischer Praxis ebenso wie unter sozialwissenschaftlichen, psychologischen, philosophischen und theologischen Gesichtspunkten diskutiert werden.

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